Pressekonferenz

28.07.2011, 10:00 von Alexander Willim

Kärntner Industrie im Normalbetrieb

Dynamik des Aufschwungs nimmt zwar ab, aber die Konjunktur stabilisiert sich auf hohem Niveau. Kärntner Leitbetriebe strahlen enorm in die regionale Wirtschaft aus: Sie sichern in Österreich 28.300 Beschäftigte, fast die Hälfte davon in Kärnten.

„Nach trotz ungünstiger Begleitfaktoren wie hoher Rohstoff- und Energiepreise sehr positiven Monaten kehrt nun wieder fast so etwas wie Normalität ein“, fasst IV-Kärnten-Präsident Otmar Petschnig den leichten Knick bei einigen wichtigen Konjunkturindikatoren im 2. Quartal 2011* zusammen. Im Anschluss an eine derartige Expansion wie zuletzt sei das auch wenig verwunderlich, so Petschnig. Der Saldo (positive Rückmeldung minus negative) bei den Aufträgen befinde sich mit 52 Prozent im Plus, jener der Produktionstätigkeit allerdings nur noch mit 5 Prozent. Als wirklich erfreulich sei jedenfalls die Tatsache zu werten, dass auch die Ertragslage von 41 Prozent der Unternehmen als gut bzw. nur von 7 Prozent als schlecht bezeichnet werde. Eine gute Ertragslage schaffe die Basis für neue Investitionen und damit die Aufwertung der Standorte. Im 1. Quartal des Jahres seien die Referenzwerte noch deutlich darunter gelegen. Bei der Beschäftigung signalisiere die aktuelle Konjunkturumfrage keine große Dynamik. 78 Prozent der antwortenden Betriebe wollen ihre Mitarbeiterstände gleich lassen, so Petschnig. Für den Aufschwung nicht untypisch sei die Entwicklung der Arbeitsmarktdaten im Juni 2011 gegenüber 2010. Die Zahl der Arbeitslosen im produzierenden Bereich sinke um 157, jene der offenen Stellen steige um 158. Das sei inzwischen aber nicht mehr ein Problem der Quantität, sondern der Qualität. Während in das Thema Uneingeweihte darüber rätseln würden, warum es denn bei 1080 offenen Stellen immer noch 5.268 Arbeitslose im produzierenden Bereich gebe, ist für die Industrie die Antwort klar: Angebot und Nachfrage passen nicht zusammen.

Laut Petschnig schätzten schon während der Krise über die Hälfte der Industriemanager im Land das Finden geeigneter Fachkräfte als die größte Herausforderung der kommenden Jahre ein. Der Kampf um das so genannte Humankapital werde sich in den nächsten Jahren verschärfen. Es werde zu einer Zweiteilung am Arbeitsmarkt kommen: auf der einen Seite jene mit den falschen Qualifikationen, die keine Arbeit mehr finden, auf der anderen Seite die mit den richtigen, um die sich die Firmen raufen werden. Genau deshalb komme dem Thema Bildung und Bildungsberatung eine so große Bedeutung zu, betonte Petschnig. Ein Trend setze sich übrigens gegenüber der Konjunkturumfrage im 1. Quartal auch diesmal fort. Innerhalb der Branchen seien kaum Unterschiede auszumachen.

Leitbetriebe als „Konjunkturlokomotive“

Erfreuliches konnte IV-Kärnten-Geschäftsführerin Claudia Mischensky über die erfolgreiche Krisenbewältigung von nur neun Kärntner Leitbetrieben** berichten. Laut einer aktuellen Studie des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI) blicken diese wieder optimistisch in die Zukunft. Ihre wirtschaftliche Ausstrahlung in die Region sei ungebrochen, so Mischensky. Dabei spiele es keine Rolle, ob sich diese Unternehmen in österreichischem oder ausländischem Besitz befänden. Die Planungs- und Steuerungskompetenz müsse hier am Standort angesiedelt sein. So sichere ein Kärntner Leitbetrieb bei durchschnittlich 850 inländischen und ausländischen KMU (Kleine und mittlere Unternehmen) zusätzliche Arbeitsplätze, Produktion und Wertschöpfung. Insgesamt würden diese neun Kärntner Leitbetriebe in Österreich direkt und indirekt eine Produktion im Umfang von 9,1 Mrd. Euro, eine Wertschöpfung von 3,49 Mrd. Euro sowie rund 28.300 Arbeitsplätze generieren (alle Zahlen von 2009).

Aber selbst auf Kärntner Ebene würden sich die Zahlen noch imposant ausnehmen, so Mischensky. Hier ergebe sich ein Effekt auf die Produktion in Höhe von 4,67 Mrd. Euro (mehr als die Hälfte des für Österreich errechneten), auf die Wertschöpfung von 1,65 Mrd. Euro, schließlich auf die Beschäftigung in Form von 13.700 Arbeitsplätzen.

Ihre Funktion als Motor der Wirtschaft und „Konjunkturlokomotive“ würden diese Unternehmen aber auch in anderer Hinsicht wahrnehmen, erklärte Mischensky. So hätten sie selbst im Krisenjahr 2009 fast 800 Mio. Euro an gesamtwirtschaftlichen Investitionseffekten erzeugt und für unternehmensinterne und –externe Forschung & Entwicklung 221 Mio. Euro ausgegeben. Nicht vergessen dürfe man auch die enorme Steuerleistung: 394 Mio. Euro an Fiskaleffekten (u.a. Lohnsteuer, Gütersteuern, Kommunalsteuer), außerdem die 319 Mio. Euro an Sozialbeiträgen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. So beeindruckend sich diese Leistungen auch ausnehmen würden, so Mischensky, sie würden auch zeigen, dass der Mythos vom keine Steuern zahlenden „Großkonzern“ ins Reich der Phantasie zu verweisen sei. Viele Steuern hätten eben nichts mit den Erträgen eines Unternehmens zu tun.

Standortfaktor Forschungsförderung

Petschnig kam schließlich zu den größten Anliegen der Kärntner Leitbetriebe, die ebenfalls im Rahmen der IWI-Studie erhoben wurden. Wenig Unterschied zur österreichweiten Beurteilung der wichtigsten Standortfaktoren gibt es bei Themen wie der Qualifikation. Die zunehmende Diskrepanz zwischen dem Angebot an qualifizierten Arbeitskräften und der Nachfrage wird von 77 Prozent der Befragten bemängelt. Deutlich mehr Bedeutung als im übrigen Österreich messen Kärntner Leitbetriebe vor allem der Forschungsförderung zu. Da gehe es um die Beibehaltung der indirekten steuerlichen F&E-Förderung (89 Prozent Zustimmung), und generell um öffentliche Förderungen im Bereich FTI (100 Prozent Zustimmung), unterstrich der IV-Kärnten-Präsident. Ganz wesentlich ist den Kärntner Unternehmen aber auch eine integrierte und nachhaltige Klima- und Energiepolitik. Eine klare Absage gibt es hier für das in Österreich häufig praktizierte „Golden Plating“, also die Verschärfung von EU-Normen im Umweltbereich, was 88 Prozent der befragten Manager kritisch sehen, schloss Petschnig.

* An der Konjunkturumfrage der Kärntner Industrie im 2. Quartal 2011 nahmen diesmal 54 Betriebe mit 16.893 Beschäftigten teil.

** Die befragten neun Unternehmen:
Chemson Polymer Additive AG
FunderMax GmbH
Hirsch Armbänder GmbH
Infineon Technologies Austria AG
KELAG
Mahle Filtersysteme Austria GmbH
Strabag SE
SW Umwelttechnik Stoiser & Wolschner AG
Treibacher Industrie AG

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