Medieninformation

19.01.2013, 15:00 von Alexander Willim

FEEI: Neueste IWI-Studie bestätigt Fachkräftemangel

In der Elektro- und Elektronikindustrie fehlen 800 Techniker, Fortbildung und Kooperationen mit Bildungseinrichtungen wirken dem entgegen.

 

Der FEEI – Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie präsentierte heute die Ergebnisse der aktuellen iwi‑Studie „Mitarbeiterqualifikation in der Elektro- und Elektronikindustrie“: 90% der Unternehmen haben Probleme, technische Positionen zu besetzen – in der Branche fehlen bis zu 800 TechnikerInnen. Nur rd. 8% der technischen Fachkräfte sind Frauen, obwohl 87% der Unternehmen gerne mehr Frauen beschäftigen würden.

Rekrutierung gestaltet sich schwierig –  besonders bei weiblichen Technikern; bis zu 800 Technikerstellen bleiben unbesetzt

Für nur jedes zehnte Unternehmen läuft die Suche nach technischen MitarbeiterInnen problemlos ab. Neun von zehn Unternehmen der Elektro- und Elektronikindustrie (EEI) haben Schwierigkeiten, ihre offenen Stellen zu besetzen. Und die Situation wird sich noch weiter verschärfen, betont Monika Kircher, stv. Präsidentin des FEEI: “Jedes dritte Unternehmen erwartet in den kommenden zwei Jahren, dass es noch schwieriger wird – vor allem bei der Suche nach TechnikerInnen mit zumindest Maturaniveau.“ Aus den Tiefeninterviews weiß Herwig Schneider, Geschäftsführer des Industriewissenschaftlichen Instituts, wo es besonders eng wird: „Die Suche nach technischem Personal für die Bereiche R&D, Elektrotechnik, Mikroelektronik, technische Physik und Leistungselektronik stellt die Unternehmen vor besondere Herausforderungen.“

Auch die Bildung von gemischten Teams fordert die Branche heraus: Nur 8% des technischen Personals ist weiblich, und dass, obwohl die Unternehmen hier verstärkt Aktivitäten setzen. „Die Branche tut viel dafür, dass mehr Frauen in die Technik gehen, aber manche Frauen-Programme mussten wieder abgesetzt werden, weil es einfach keine Technikerinnen gab“, erzählt Monika Kircher.

In Summe fehlen der Elektro- und Elektronikindustrie Studie zwischen 600 bis 800 technische Fachkräfte.

Die EEI setzt auf Aus- und Weiterbildung sowie Kooperationen mit Bildungseinrichtungen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken

Monika Kircher betont in ihren Ausführungen, dass bereits erfolgreiche Gegenstrategien zum Fachkräftemangel entwickelt wurden: „Unsere Betriebe setzen verstärkt auf interne und externe Weiterbildungsmaßnahmen. So werden bereits im Unternehmen befindliche MitarbeiterInnen mittels Weiterbildungsmaßnahmen für den nächsten Karriereschritt fit gemacht. Für unsere Großunternehmen ist  die Ausbildung von Lehrlingen eine willkommene und effektive Form, um Mitarbeiter genau mit den Qualifikationen auszustatten, die besonders benötigt werden.“

Monika Kircher spricht sich für eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Bildungseinrichtungen aus. Sie sieht ihre Bemühungen in diese Richtung durch die Studie bestätigt: „68% der Unternehmen kommen erstmals bei Projekt-, Master- oder Diplomarbeiten mit ihren zukünftigen MitarbeiterInnen in Kontakt. Diese Allianzen sind somit für beide Seiten gewinnbringend.“

Eine technische Ausbildung qualifiziert für eine Vielzahl von Aufgaben

TechnikerInnen sind in der Elektro- und Elektronikindustrie nicht nur in klassischen Technik-Abteilungen wie Produktion, Konstruktion oder F&E beschäftigt, sondern sind auch im Einkauf, Vertrieb oder Marketing gern gesehen. „Die Studie zeigt für mich deutlich, dass eine technische Ausbildung eine sehr gute Investition in die berufliche Zukunft ist, und dass damit alle Türen offen stehen. Auch auf der Managementebene schätzt man die Qualifikationen von technisch gebildeten MitarbeiterInnen“, so Lothar Roitner, Geschäftsführer des FEEI.

Zufriedenheit mit der Ausbildungsqualität der Bildungsinstitutionen

Tenor: Je höher die Ausbildung, desto zufriedener sind die Unternehmen mit der Qualität. Im Ranking ganz vorne liegen AbsolventInnen von HTLs mit 91%. Gefolgt von Universitäts- und FH-AbsolventInnen mit einer Zufriedenheit von 79% bzw. 74%. Dringenden Handlungsbedarf sehen die Unternehmen jedoch bei der Ausbildungsqualität von Berufsschulen, denn ein Viertel der Betriebe ist damit überhaupt nicht zufrieden und nur 11% sind sehr zufrieden. Bemängelt werden hier – neben fehlenden fachlichen Kompetenzen und Grundkompetenzen – besonders soziale Defizite.

Forderungen der Branche an die Politik

Ableitend aus den Ergebnissen der Studie formuliert Monika Kircher die Forderungen der Elektro- und Elektronikindustrie an die Bildungspolitik: „Für die Branche ist es essentiell, dass PflichtschulabsolventInnen die Grundfertigkeiten in Lesen, Schreiben und Rechnen beherrschen. Hier gilt es, bereits erfolgreiche Projekte breitflächig anzusetzen. Wir sprechen uns auch klar dafür aus, dass Naturwissenschaften und Technik verstärkt in die Lehrpläne Einzug finden.“ Monika Kircher plädiert weiters dafür, dass die Ausbildungsqualität der HTL erhalten bleibt und dass hier ausreichend Fachpädagogen ausgebildet werden. Abschließend fordert sie BildungspolitikerInnen auf, parteipolitische Interessen zurückzustellen und die vorhandenen Expertenkonzepte rasch umzusetzen.

Zur Studie

Das Industriewissenschaftliche Institut hat im Auftrag des FEEI dessen Mitgliedsunternehmen befragt. Dabei wurden quantitative und qualitative Methoden angewandt. Im Rahmen der quantitativen Erhebung wurden vorigen Sommer  92 Fragebögen ausgewertet, dies entspricht einer Rücklaufquote von 36%. Die Studie ist somit repräsentativ für die Branche. Die Ergebnisse dieser schriftlichen Befragung wurden durch 18 Tiefeninterviews ergänzt, wobei diese aufgrund der Struktur ebenfalls die Branche widerspiegeln. Abschließend wurden im Dezember 2012 Telefoninterviews zu den Fragen Technikermangel und Diversity-Management durchgeführt.

FEEI – Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie

Der FEEI – Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie vertritt in Österreich die Interessen von knapp 300 Unternehmen der österreichischen Elektro- und Elektronikindustrie mit mehr als 60.000 Beschäftigten und einem Produktionswert von 12,7 Milliarden Euro (Stand 2011). Gemeinsam mit seinen Netzwerkpartnern – dazu gehören u. a. die Fachhochschule Technikum Wien, das Forum Mobilkommunikation (FMK), das UFH, das Umweltforum Starterbatterien (UFS), der Verband Alternativer Telekom-Netzbetreiber (VAT) und der Verband der Bahnindustrie (bahnindustrie.at) – ist es das oberste Ziel, die maßgeblichen rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mitzugestalten, um die Position der österreichischen Elektro- und Elektronikindustrie im weltweit geführten Standortwettbewerb zu stärken. www.feei.at

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