Medieninformation

05.09.2008, 20:00 von Alexander Willim

Internationalisierung schafft Beschäftigung

FIW-Studie: Pro Jahr durchschnittlich 6000 zusätzliche Arbeitsplätze von 1995 bis 2003

Die Beschäftigungslage in Österreich profitierte insgesamt von der Internationalisierung der österreichischen Wirtschaft und insbesondere durch die verstärkte Handelsintegration mit den osteuropäischen Partnerländern im Zeitraum 1995 bis 2003. Pro Jahr wurden in diesem Zeitraum 7.500 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Das zeigt eine aktuelle Studie des Wiener Institutes für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) und des Industriewissenschaftlichen Institutes (IWI) im Rahmen des Forschungsschwerpunktes Internationale Wirtschaft (FIW). Die Studie untersucht die direkten und induzierten Beschäftigungswirkungen der Outsourcingaktivitäten heimischer Unternehmen, von Exporten und Importen. Beschäftigungsverluste durch Outsourcingaktivitäten und vermehrter Importkonkurrenz wurden durch die vermehrten Exportaktivitäten mehr als kompensiert. Weiters zeigt die Studie, dass die Beschäftigungseffekte nach Ausbildungskategorien relativ ähnlich und insgesamt positiv für alle Kategorien waren. Das bedeutet, dass die niedrig qualifizierten Arbeitskräfte nicht im besonderen Ausmaß von der Internationalisierung betroffen waren. Der Rückgang der Nachfrage nach niedrig qualifizierten Personen ist daher auf andere Ursachen zurückzuführen.

Die vorliegende Studie untersucht mit Hilfe einer Dekompositionsanalyse auf Basis eines Input-Output-Modells die Beschäftigungswirkungen von Outsourcing und Internationalisierung (Importe und Exporte) in Österreich im Zeitraum 1995-2003. Outsourcing wird dabei als Veränderung der Anteile der importierten Vorleistungen modelliert. Analog werden auch bei der Endnachfrage die Beschäftigungseffekte durch Veränderungen der Import- und Exportanteile berücksichtigt. Außerdem können die direkten und indirekten Beschäftigungseffekte von Änderungen der Produktivität, der Technologie und Komponenten der Endnachfrage berechnet werden. Die Unterscheidung der Arbeitskräfte in unterschiedliche Ausbildungskategorien erlaubt es, der Frage nachzugehen, ob – wie vielfach vermutet – unqualifizierte Arbeitskräfte stärker von der Internationalisierung und insbesondere der Outsourcingaktivitäten betroffen sind.

Die Beschäftigung in Österreich ging demnach aufgrund der Outsourcingaktivitäten um ca. 8.900 Arbeitsplätze jährlich im Zeitraum 1995-2000 bzw. 4.700 Arbeitsplätze im Zeitraum 2000-2003 zurück. Im ersten Zeitraum lässt sich auch eine verstärkte Importorientierung der heimischen Nachfrage nach Endprodukten feststellen mit einem entsprechenden negativen Effekt von ca. 7.700 Arbeitsplätzen jährlich. In der Periode 2000-2003 gab es einen umgekehrten Trend mit entsprechenden positiven Auswirkungen auf die Beschäftigung (3.800 jährlich). Dem steht eine positive Entwicklung der Nachfrage nach Arbeitskräften aufgrund verstärkter Exportaktivitäten gegenüber, die insbesondere in der ersten Periode mit 24.000 Arbeitsplätzen jährlich besonders ausgeprägt war. Dieser Trend schwächte sich in der zweiten Periode zwar ab, zeigt aber immer noch positive Effekte von ca. 5.000 Arbeitsplätzen jährlich. Insgesamt ergeben sich somit positive Beschäftigungseffekte von ungefähr 7.500 Arbeitsplätzen pro Jahr in der Periode 1995-2000 und 4.300 Arbeitsplätzen pro Jahr in der Periode 2000-2003.

Eine Aufgliederung der Beschäftigungseffekte nach Ausbildungskategorien (niedrig/mittel/hoch) zeigt, dass die Nachfrage aufgrund der Internationalisierung in allen drei Gruppen insgesamt positiv war und auch keine wesentlichen Unterschiede in der Nachfrageverschiebung aufgrund der Internationalisierung erkennbar sind. Der Rückgang der Nachfrage nach gering qualifizierten Personen ist daher auf andere Ursachen (z. B. technischer Wandel) zurückzuführen.



Die Studie des Wiener Institutes für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) und des Industriewissenschaftlichen Institutes (IWI) "Outsourcing and Employment: A Decomposition Approach", (FIW-Studie Nr. 018, 44 Seiten) wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit im Rahmen des Kompetenzzentrums FIW (Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft) erstellt und kann kostenlos von der FIW Homepage heruntergeladen werden: http://www.fiw.ac.at/fileadmin/Documents/Publikationen/fiwstudie18.pdf

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